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Demo in Togo zwei Personen mit Transpi

Liebe Leser:innen,

Demokratie und eine unabhängige Zivilgesellschaft leben davon, dass Menschen ihre Meinung frei äußern, Missstände benennen und sich für die Rechte anderer einsetzen können. Doch genau dieser Handlungsspielraum wird weltweit immer kleiner. Laut dem CIVICUS Monitor leben aktuell lediglich 3,4 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen diese Grundfreiheiten uneingeschränkt gewährleistet sind.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass dieser Trend nicht nur autoritäre Staaten betrifft. Die Bundesrepublik befindet sich laut CIVICUS mittlerweile in der Kategorie „beschränkt”. Auf derselben Stufe stehen beispielsweise die USA, Frankreich, Brasilien oder Senegal. Ob über Fördermittel, Gesetze, Desinformation oder direktem Druck – es sind ineinandergreifende Strategien, mit denen Handlungsspielräume von Zivilgesellschaft eingeschränkt werden. Aktuelle Beispiele hierzulande sind die Gesetzesreform des Informationsfreiheitsgesetzes oder die Neustrukturierung des Programms „Demokratie leben“.

Diese Entwicklung kann schleichend oder brutal verlaufen. Sie zeigt aber, dass stabile demokratische Strukturen keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder verteidigt werden müssen.

Zwei Personen halten eine Rede

Für unsere Partner in Simbabwe, Burkina Faso und Togo ist der Kampf gegen den sogenannten „Shrinking Civic Space“ (dt.: schrumpfender zivilgesellschaftlicher Raum) zum traurigen Alltag geworden. Sie arbeiten unter Bedingungen, die von Repression und Zensur, von der Militarisierung des öffentlichen Lebens sowie zunehmender Unsicherheit geprägt sind. Organisationen werden kontrolliert oder aufgelöst, Demonstrationen verboten, Journalist:innen und politische Aktivist:innen verfolgt und inhaftiert. Der CIVICUS Monitor stuft alle drei Länder als „geschlossen“ ein. Die Bekanntgabe der Schließung des UN-Menschenrechtsbüros in Burkina Faso Ende Juni diesen Jahres markiert einen weiteren Tiefpunkt in dieser besorgniserregenden Entwicklung.

Trotzdem geben unsere Partner nicht auf. Sie entwickeln kreative Strategien, bauen verstärkt lokale Netzwerke auf und suchen neue rechtliche Wege. Sie verändern ihre Arbeitsweise, nicht aber ihre Ziele. Ihr Einsatz zeigt: Zivilgesellschaft findet auch unter schwierigen Bedingungen Wege, sich für Menschenrechte, Demokratie, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit einzusetzen.

In diesem Newsletter stellen wir Ihnen drei Organisationen vor, die diesen Mut und diese Beharrlichkeit jeden Tag leben. Ihre Geschichten verdeutlichen, warum internationale Solidarität weit mehr ist als finanzielle Unterstützung: Sie bietet den Rückhalt, den zivilgesellschaftliches Engagement gerade dann benötigt, wenn demokratische Freiräume unter Druck geraten.

Mit solidarischen Grüßen

Ihr ASW-Newsletterteam

Burkina Faso: Frauen stärken – trotz wachsender Einschränkungen
Eine Frau webt am Webstuhl, 4 Frauen schauen zu

In Burkina Faso begleitet die APFG Mädchen und Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Unser Partner bietet Ausbildungen in Berufen wie Schneiderei, Friseurhandwerk oder Informatik an und unterstützt Frauengruppen dabei, wirtschaftlich unabhängig zu werden und Zugang zu Land zu erhalten.

Doch die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Seit 2025 erschweren die Auflösung hunderter NGOs, neue Verwaltungsvorgaben und die anhaltende dschihadistische Gewalt die Arbeit der Organisation – insbesondere in ländlichen Regionen.

Die APFG hat ihre Arbeit dennoch nicht eingestellt. Stattdessen arbeitet sie noch enger mit traditionellen Autoritäten und lokalen Multiplikatorinnen zusammen. So können Bildungsangebote und Beratungen auch unter schwierigen Bedingungen weitergeführt werden.

 
Togo: Neue Wege für den Schutz der Menschenrechte
Demo mit Fronttranspi in Togo

In Togo dokumentiert die Bürgerbewegung FCTD Menschenrechtsverletzungen unter der Leitung von David Dosseh und setzt sich dafür ein, dass Bürger:innen Gehör finden in einem zunehmend repressiven Klima: Demonstrationsverbote, die Verfolgung von Journalist:innen und harte Haftbedingungen sind zum Alltag geworden.

Die Organisation hat auf diese Herausforderungen reagiert, indem sie ihr Fachteam verstärkte und ein Netzwerk mit Partnerorganisationen in Westafrika aufbaute. Da das togolesische Regime die innerstaatliche Justiz weitgehend kontrolliert, nutzt unser Partner verstärkt regionale Rechtsinstanzen im ECOWAS-Raum, um Grundrechte sowie die Rechte zivilgesellschaftlicher Organisationen durchzusetzen.

Mit Erfolg: Am 25. Juni 2026 erklärte der Gerichtshof der ECOWAS die togolesische Verfassungsreform von 2024 nach einer Klage mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen für verfassungswidrig. Das Gericht urteilte, dass die Reform und der damit vollzogene Regierungswechsel gegen die Afrikanische Charta für Demokratie, Wahlen und Regierungsführung verstößt.

Das Urteil ist ein wichtiger Erfolg für die Zivilgesellschaft. Es zeigt, dass regionale Gerichte eine entscheidende Rolle spielen können, insbesondere dann, wenn nationale Gerichte ihrer Kontrollfunktion nicht nachkommen.

 
Simbabwe: Zusammenarbeit, die Krisen überwindet
Ein Sanddamm mit Wasser gefüllt, davor steht ein lachender Mann

In Simbabwe (Matabeleland) unterstützt unser Partner Dabane Trust Gemeinden dabei, Wasser besser zu speichern und eine klimaresiliente Landwirtschaft aufzubauen. Inzwischen profitieren Tausende Haushalte von den Maßnahmen.

Doch auch hier wird die Arbeit zunehmend erschwert. Verschärfte NGO-Gesetze, verweigerte Reisegenehmigungen und die zeitweilige Aussetzung von NGO-Aktivitäten haben dazu geführt, dass sich das Projekt um fast ein Jahr verzögert hat.

Dank der langjährigen Zusammenarbeit mit den Gemeinden konnte dieser Rückschlag jedoch aufgefangen werden. Die eingeführten Methoden zur Wassereinsparung werden inzwischen von den Menschen vor Ort eigenständig weitergegeben und verbreiten sich so weit über das ursprüngliche Projektgebiet hinaus.

 
Was unsere Partner verbindet

Ob Frauenförderung in Burkina Faso, Menschenrechtsarbeit in Togo oder Wasserprojekte in Simbabwe: Alle drei Organisationen passen ihre Strategien den schwieriger werdenden Bedingungen an, ohne ihre Ziele aus den Augen zu verlieren. Diese Anpassungsfähigkeit hat ihren Preis – sie kostet Zeit, Ressourcen und oft persönlichen Mut.

Unterstützen Sie die mutige Arbeit unserer Partner mit einer Spende: 

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