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Ein EU-Tanklaster auf einer staubigen Straße

Liebe Leser:innen,

die EU will Bürokratie abbauen und nimmt dabei Standards für Menschenrechte und Umwelt mit auf die Rückfahrt. Im März ist das erste „Omnibus-Paket“ der EU in Kraft getreten. Viele Medien und Politiker:innen beschrieben es als Wundermittel für "Bürokratieabbau". Damit sollten deutsche Unternehmen von den angeblich überbordenden Anforderungen des deutschen Lieferkettengesetzes „entlastet“ werden. Die Wirtschaft und ihre Lobbyist:innen jubelten. Die Bundesregierung macht sich jetzt eifrig daran, die viel schwächeren Vorgaben der EU umzusetzen.

Ganz überraschend ist dieser Eifer nicht. Denn aktuelle Recherchen des ZDF, von Frankfurter Rundschau und FragDenStaat belegen, dass die Bundesregierung die Umsetzung des geltenden Lieferkettengesetzes offenbar bewusst verschleppt und verhindert. Und parallel arbeitete sie eng mit multinationalen Energie-Konzernen zusammen, um mit dem „Omnibus-Paket“ eine Abschwächung von Sorgfaltspflichten auf EU-Ebene zu erreichen.

Die Folgen: perspektivisch deutlich weniger Verpflichtungen für international agierende deutsche Unternehmen, Umwelt und Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten zu schützen. Dies ist im aktuellen geopolitischen Ringen um Zugang zu kritischen Rohstoffen und billiger Energie ein fataler Rückschritt, der die Folgen solcher Abschwächungen bewusst ignoriert.

Verladehafen in Santarem Brasilien

Aber dieses Paket war erst der Anfang. Weitere neun Omnibus-Vorhaben folgen, die sich unmittelbar auf deutsches Recht auswirken werden: Chemikalienrecht, Umweltstandards, Landwirtschaft, Datenschutz, Künstliche Intelligenz. Das „Omnibus-Verfahren“ sieht keine umfassenden Folgenabschätzungen vor, und wird in verkürzten Konsultationsverfahren erarbeitet – dabei geht die Initiative von der EU-Kommission aus, deren Mitglieder von den EU-Ländern ernannt werden und keiner demokratischen Bestätigung durch die Wähler:innen unterliegen.

Gleichzeitig ist Brüssel ein Tummelplatz für zehntausende von Wirtschaftslobbyist:innen, die um Zugang zu den EU-Kommissar:innen ringen, und deren Ziele in der Regel nichts mit dem Allgemeinwohl zu tun haben. Umwelt- und Menschenrechtsthemen haben es in dieser Umgebung schwer, da die allerwenigsten NRO sich Vertreter:innen in Brüssel leisten können.

Warum ist das wichtig?

Einerseits weil die meisten nicht wissen, wie wichtig EU-Politik für Deutschland und politische Arbeit hierzulande ist. Denn ein Großteil deutscher Gesetze und Regelungen haben ihren Ursprung auf EU-Ebene. Deshalb sind EU-Parlamentswahlen weit mehr als nur „Denkzettel-Wahlen“ gegen unpopuläre Bundesregierungen. Am Ende kann nur das von allen EU-Bürger:innen gewählte EU-Parlament falsche Politiken der EU-Kommission noch verhindern oder abschwächen.

Andererseits weil die Folgen solcher Änderungen ihren Nachhall überall auf der Welt finden, auch bei unseren Partnern – wie es unser Artikel über illegalen Goldabbau im Amazonas beschreibt. Unser Wahlzettel wirkt sich deshalb auf das Geschehen im Amazonas genauso aus, wie das Abholzen der Wälder dort auf uns, im neuen Europa der Dürren, Waldbrände und tödlichen Hitzewellen.

Globale Lieferketten bedeutet globale Verantwortung! Wir brauchen Unternehmen und Regierungen, die hinschauen – nicht wegschauen.

Mit solidarischen Grüßen

Ihr ASW-Newsletterteam

Von Brasilien nach Deutschland: Der Weg des illegalen Goldes in unsere Lieferketten

Ein Goldschürfer auf einem Fluss im Amazonasregenwald

50 Prozent des brasilianischen Exportgoldes stammt aus illegalem Abbau mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt. Im Amazonasregenwald vergiftet das Geschäft Flüsse und Böden, treibt organisierte Kriminalität in indigene Territorien und verdrängt Gemeinschaften von ihrer Heimat. In Deutschland landet dasselbe Gold vermeintlich legal in Schmuckkästen, Smartphones und Elektronik. Als Rohstoff, der jede Kontrolle überstanden hat. Aber wie genau landen solche Rohstoffe in legalem Konsumgut? Und welche Rolle spielt dabei die EU-Gesetzgebung, die gerade die Mechanismen auflöst, die genau solche Lieferketten hätten prüfen sollen?

Unser aktueller Artikel zeigt die globalen Zusammenhänge zwischen unseren Partnern – den indigenen Munduruku im Amazonas – und dem aktuellen Bürokratieabbau in Brüssel auf.

 
Jahresbericht: Was uns 2025 bewegt hat
Eine junge Adivasi-Frau sitzt im Hof und füttert Schweine

52 Projekte. 7 Partnerländer.

Trotz globaler Krisen, staatlicher Repression gegen die Zivilgesellschaft, Kürzungen und sinkender Spendenquoten in Deutschland haben wir im Jahr 2025 beeindruckende
Einnahmen erzielt: 1,73 Millionen Euro private Spenden, Fördergelder aus Stiftungen und staatliche Entwicklungsgelder. Unser Jahresbericht zeigt, wohin jeder Euro Ihrer Unterstützung geht: Von Wasserdämmen in Simbabwe über landwirtschaftliche Frauenkooperativen in Senegal bis zur Eröffnung des Bildungs- und Kulturzentrums der indigenen Munduruku in brasilianischen Amazonas.

Aber er zeigt auch die schwierige Realität unserer Partner:innen: In Burkina Faso, Simbabwe und Togo schränken Repression und Verbote die Arbeit von NGOs immer stärker ein. In Indien werden zahlreichen NGOs Finanzlizenzen zum Erhalt ausländischer Gelder entzogen und auch in Brasilien ist die Zivilgesellschaft immer wieder Angriffen von wirtschaftlichen Interessensgruppen und der organisierten Kriminalität ausgesetzt . 

Dennoch: Gemeinsam mit Ihnen trotzen wir der Krise, bleiben solidarisch und stärken unsere Netzwerke. 

 
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